Georgius
Agricola und das Auffinden der Silbergänge:
Wünschelrute
contra Naturbeobachtung
Hans-Dieter Langer,
Niederwiesa
Einführung
Am 21. November
2005 jährt sich zum 450. Mal der Todestag von Georgius
Agricola.
Sein Werk war vor allem dem Bergbau im Erzgebirge gewidmet, und sein
Buch „De re metallica libri XII“ / 1 /, das er
unter
anderen in Chemnitz geschrieben hat, machte ihn und die Region
weltberühmt. Besonders wichtig war für Agricola - der
dazu
auch die Literatur bis zurück in die Antike studiert hatte -
die
Prospektion bzw. Erkundung im alten Bergbau. Zu seiner Zeit ging es
hier bekanntlich vor allem um Silber, dem eigentlichen Schatz der
Wettiner. Es gab aber die einschlägige Wissenschaft noch
nicht,
denn der Chemnitzer gilt ja heute als ihr eigentlicher
Begründer.
Die Treffsicherheit beim Aufsuchen der
„sylbergänge“ muss
damals trotzdem ziemlich
hoch gewesen sein. Niemals hätte man es sich nämlich
leisten können, die überdeckende Erde eines wie auch
immer
ausfindig gemachten Bergbaufeldes großflächig
abzutragen,
um an das Erz in den fündigen Klüften des felsigen
Gebirges
heranzukommen. Irgendwer muss ja die Anweisung gegeben haben, genau
an der richtigen Stelle mit Spitzhacke und Spaten anzusetzen, um
punktgenau bereits aus ca. 1 m Tiefe Silber (und übrigens
nicht
unbedingt andere Erze) fördern zu können. Agricola
überlieferte uns überzeugend, dass dies weltweit in
Jahrtausenden der Geschichte und im Erzgebirge mindestens seit 500
Jahren exakt so stattgefunden hat. Insbesondere sein erstes Bild im
oben genannten Buch, siehe Bild 1, liefert einen zweifelsfreien Beleg
dafür: Es waren die Wünschelrutengänger!
Schon
Albertus Magnus oder Albert Graf von Bollstädt (um 1193 bis
1280) hat uns in seiner „De mineralis et rebus metallicis
libri
quinove“ / 2 / über die prospektive Bedeutung der
Wünschelrute aufgeklärt. Und es erinnert noch im Jahr
1856
M. F. Gaetzschmann in seinem Werk über „Die Auf- und
Untersuchung von Lagerstätten nutzbarer Mineralien“
/ 3 /
unmissverständlich daran, siehe Bild 2, dass es 300 Jahre nach
Agricola gelegentlich immer noch recht beschaulich zugegangen ist.
Doch bleibt Agricolas schriftlicher Nachlass, der im Dialog seines
„Bermannus“ / 4 / zum Thema
bereits vor dem Jahr
1520 ansetzt, der früheste wissenschaftliche
Fundus zur
Anwendung der Wünschelrute.
Nicht zuletzt zu Agricolas
Ehre wurde die „Erste Wünschelruten-Ausstellung:
Physik
und Radiästhesie“ vom Sächsischen Verein
für
Forschung e.V., der auf Agricolas Spuren - siehe H.-D. Langer / 5 / -
auch die „Unterirdischen Gewölbegänge im
Kaßberg
zu Chemnitz“ öffentlich zugänglich gemacht
hat, im
Schloss Lichtenwalde bei Chemnitz ins Leben gerufen. Der Verein
bereitet zudem für das Jahr 2005 eine Sonderausstellung zur
Agricola-Ehrung vor.
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1a) Darstellung des Silberbergbaus im Erzgebirge nach G. Agricola / 1 /: links oben über der gestrichelten Diagonale Erkundung der Silbergänge durch Wünschelrutengänger, rechts unten Erschließung und Produktion |
1b) Bildanalyse der Darstellung des Silberbergbaus nach G. Agricola / 1 / |
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Bild 2: Die Wünschelrute im Fachbuch Mitte des 19. Jahrhunderts nach M. F. Gaetzschmann / 3 / |
Wünschelrute
oder Anzeigerpflanzen?
Wie war es möglich, mit jener
hohen Ortsauflösung die „sylberadern“
bzw.
„sylbergänge“ in den
verdeckten Rissen der
felsigen Erdkruste unter den Füssen zu erkennen, wo doch in
wilder Flur visuell oft rein gar nichts auszumachen ist?
Schließlich
stand bei weitem nicht immer der Zufall des scharrenden Pferdes oder
malmenden Fuhrwerkrades zur Verfügung, wie es die Sagen
berichten. In seiner Gedicht-Chronik „Fribergum in
Misnia“
stellt nämlich Johannes Bozer / 6 / für den schweren
Anfang
des Bergbaus auf dem Territorium des heutigen Freistaates Sachsen
eine völlig andere Version dar, indem er auf die
Gründung
der Siedlung Sächsstadt bei Freiberg ums Jahr 1168 bezieht.
Hier
ein Auszug in deutscher Fassung nach G. E. Benseler / 7 /:
“Sucht auch der Bergmann Schutz vor Regen dort und Wind,
Und
aus dem Dickicht siehst du arme Hütten steigen,,
Daß
er bei Nacht darin die sanfte Ruhe find.
Wie sie so mit der Axt
den starren Wald abmähen,
Und weithin nach und nach sich
Grub´ an Grub´ aufthut,
Läßt jede Stelle
sie die Wünschelruth´ erspähen,
Wo irgend reich
Gestein noch in der Tiefe ruht.“
Selbst wenn man heute
etwa auf dem Treppenhauer-Berg zu Sachsenburg mit reichlichem
geologischen Wissen im Hinterkopf zwischen den Wällen, Halden
und Bingen des berühmten Altbergbaufeldes herumirrt, besteht
keine Chance, den ganz gewiss vorhandenen Restbestand von
Silbergängen einigermaßen zuverlässig zu
orten. Nach
diesbezüglicher Anfrage des Autors vor Jahren bei einem
älteren
Professor der Bergakademie Freiberg kam allerdings völlig
überraschend wieder der Hinweis auf die einschlägige
„Zauberkunst“, die nach einem
Zitat von G. E.
Benseler bereits jener größte Gelehrte des 13.
Jahrhunderts, Albert Graf von Bollstädt, beschrieben haben
soll:
„Ich nehme (heimlich, in des Professors
Fall) die
Wünschelrute!“
Georgius Agricola jedenfalls kam
in der schriftlichen Zustandsdarstellung seiner Zeit nicht
umhin, die Wünschelrute einem Bergmann zu empfehlen, siehe
unten. Und eben noch Jahrhunderte nach ihm war sie, wohl immer
umstritten, das wichtigste Zeigerinstrument: Exakt hier ist eine
Silberader!
Agricola
hat aber - was ihn vor allen anderen aus frühen Zeiten so
deutlich auszeichnet - auch nach Alternativen gesucht, um lohnende
Abbaufelder festzulegen. Er fand sie sowohl in den einschlägig
beschriebenen Naturbeobachtungen der Antike - zum Beispiel bei Vitruv
und Plinius - als auch in den bis zu seiner Zeit angesammelten
Erfahrungen der Bergleute im Erzgebirge. Mit der extrem hohen
Ortsauflösung der Wünschelrute, die unmittelbar zu
den
„sylbergängen“
führt, konkurriert
nämlich ein gewisser abnormer Pflanzenwuchs, den Agricola
ebenfalls ausführlich beschrieben hat / 1 /, / 8 /.
Dieses
Thema wurde nach Kenntnis des Autors in der Literatur zum Werk des
Begründers der Montanwissenschaften und verdienstvollsten
Bürgers von Chemnitz bisher kaum ausführlich
behandelt.
Deshalb - und weil der Autor eine unmittelbare Beziehung zu seinem
eigenen aktuellen Forschungsgebiet, der Siedlungsphysik, zu erkennen
glaubt - soll in diesem Beitrag möglicherweise ein
Filetstück
der Heimatgeschichte aufgearbeitet werden.
Georgius
Agricola und die Wünschelrute
Das Buch “De re
metallica XII libres“ schrieb Agricola in seiner bewegten
Chemnitzer Zeit, und es kam im Jahr 1546 in lateinischer Sprache
heraus. Seither gibt es mehrere Übersetzungen ins Deutsche.
Die
früheste geschah bereits wenige Jahre später / 8 /,
zu
einer Zeit nämlich, da Agricola als Fremdling des
gewählten
Metiers noch unter harscher Kritik aus damaligen Fachkreisen stand.
Bei Übersetzungen ist zudem immer ein bestimmter inhaltlicher
Spielraum gegeben, wie auch Martin Luthers Umgang mit der Bibel
beweist. Und es wundert nicht, wenn bei beiden Vorgängen und
ihren Nachfolgern gerade die Problematik der Wünschelrute
immer
wieder für Irritationen gesorgt hat. Die Beweggründe
sind
durchaus verschieden. Luther musste im Zusammenhang mit der
Wünschelrute den Teufel in Grenzen halten. Agricola erlebte
indessen Fehlanzeigen der Bediener dieses Wunderinstrumentes, und die
anfangs noch zarten wissenschaftlichen Lehren mussten sich
schließlich auch erst durchsetzen. Die Wünschelrute
ist
aber so alt wie die Menschheit, ganz gleich ob bei ihrem Gebrauch
mythische Wünsche dahinter standen, Macht demonstriert wurde
oder Bodenschätze aufzufinden waren. Es macht also
kulturhistorisch keinen Sinn, z.B. der althochdeutschen
„Wunsciligerta“, dem Vogelstab
von der
Altsteinzeit bis zu Kaiser Otto III., den Stäben des Moses
oder
des Hannibal, den unzweideutigen Handinstrumenten der
altägyptischen
Götter und Pharaonen, dem „Caduceus“
des
griechischen Gottes Hermes, dem „Lituus“
der
römischen Priester, dem Dreizack der altchinesischen Kaiser
und
der hethitischen Götter oder den Schlangenstäben der
voraztekischen Priester die Daseinsberechtigung als machtgebendes
Zaubersymbol abzusprechen. Einen umfassenden Überblick dazu
gibt
es jetzt in der oben genannten Wünschelruten-Ausstellung.
Jenes
historische bis prähistorische Vorfeld mag
Verständnis
dafür wecken, wenn G. Fraustadt und H. Prescher in ihrer
Übersetzung aus dem Jahr 1974 / 1 / zu Agricolas thematischem
Schlüsselsatz
„Die Wünschelrute kann
also bei der Auffindung von Gängen für eine frommen
und
ernsthaften Mann von Nutzen sein.“
ausdrücklich
per Fußnote wie folgt kommentieren: „Diese
Stelle
wurde in den Ausgaben 1928 und später anders
übersetzt, so
daß man den Eindruck bekommt, daß diese Rede die
Meinung
der Rutengänger sei. Es ist aber aus dem Text ersichtlich,
daß
Agricola selbst der Meinung ist, daß die
Wünschelrute ein
teilweise brauchbares Instrument sein kann.“
Es gab
also schon früher entstellende Übersetzungen, allen
voran
aber bewertete tatsächlich zum Beispiel die Zentrale
Agricola-Kommission der DDR im Jahr 1955 / 9 / Agricolas angeblichen
Standpunkt wie folgt: „ebenso lehnt er die
Wünschelrute ab, die ein Naturbeobachter nicht nötig
habe“,
indem er z.B. „Pflanzenwuchs, insbesondere Moose und
Pilze“
betrachtet. Obgleich sich Agricola mit pflanzlichen Indikatoren
tatsächlich auseinander gesetzt hat - worauf weiter unten noch
einzugehen ist - hat er „Moose“
allerdings in
seinem Buch mit keinem Wort erwähnt. Schon daran erkennt man
leicht den mangelhaften Genauigkeitsanspruch der zuständigen
Autoren.
Die im Weltmaßstab mit Abstand am häufigsten
zitierte Zeichnung von Agricola ist jene im Bild 1. Man muss
übrigens
wissen, dass er selbst sinngemäß folgende Auffassung
vertreten haben soll: Wer nicht zeichnen könne, der solle das
Schreiben von Fachbüchern lassen. In heutiger Zeit ist das
entsprechende Repertoire lediglich etwa um Fotos, Diagramme,
Tabellen, Formeln erweitert. Wo dieses fehlt, ist mit Recht die
Wissenschaftlichkeit eines Aufsatzes anzuzweifeln. Wenn wir also
nachfolgend einmal die Darstellung analysieren wollen, so sollten wir
das entsprechend sorgfältig tun, denn wir können mit
einer
hohen Aussagekraft eines jeden zeichnerischen Details rechnen.
Agricola stellt gemäß Bild 1b die Prospektion
(Erkundung) sowie die Erschließung und Produktion im Bergbau
vor einem halben Jahrtausend dar. Sicher darf man darin auch das
entsprechende Aufwandsverhältnis 3 : 5 (Prospektion zu
Produktion) erkennen, wenn man die Anzahlen der jeweils dargestellten
Beschäftigten in Beziehung setzt. Man musste damals
offensichtlich nicht allzu tief graben. Der Unternehmer und sein
Bergmeister links unten dürften sich über das erste
Silber
freuen, das bereits bei B in einer Schale herauf gereicht wird. Weil
hier der bare Reichtum offen liegt, ist allerdings Gefahr im Verzug,
und man ist bewaffnet (ein Degen lehnt bei A am Baum). Dazu Agricola:
„Wo aber ein Landtschafft von eim Tyrannen mitt
herschung
getruckt wirt .../ Als dan wirt nicht allein des bergkmas gut in
grosser gfhar sthen / sond wirt auch in gefhar seines lebes komen.
Deshalbe so grebt er auch nicht ein solchs ort.“
Mehrere
Grabungen im dargestellten Fall (weiße Pfeile mit schwarzer
Spitze) sind bereits ausgebeutet. Sie sind im Gelände offenbar
nicht zufällig verteilt, sondern folgen zumindest
imaginären,
im Bild schwarzen Linien, die offenbar von den Rutengehern 1 bis 3
vorgezeichnet worden sind. Wir erkennen bei 1 einen der emsig
Beschäftigten, “die erstmale ein hasellne
gable
abhauwen“, also eine „wünschellrute“
vom Haselbaum abschneiden. Ein Zweiter bewegt sich in der sogenannten
„Suchhaltung“ / 10 / flotten
Schrittes nach rechts
auf die Linie L1 zu. Bei 3 findet soeben der „Rutenausschlag“
/ 10 / statt: Hier ist also ein „sylbergang“.
Es
handelt sich wohl um die ebenfalls vermeintlich fündige Linie
L2, die zudem durch die entgegengesetzten Grabungsrichtungen der
beiden „bergkleute“ bei C
markiert wird. Sie
wurden vermutlich genau an dem Ort angesetzt, wo sich die
fündigen
Linien L1 bis L3 kreuzen, also nach Agricolas Kapitel „Das
dritt buch“ höchste Wahrscheinlichkeit
für
Silbervorkommen besteht. Im Hintergrund links oben beginnt ein
weiterer Bergmann mit einer Grabung, die ebenfalls auf der Linie L3
liegt.
Um zu unterstreichen, dass es sich bei den Männern
mit den Ruten um anerkanntes Fachpersonal handelte, das auch
verbeamtet wurde, zitieren wir B. Rössler aus seinem um 1700
erschienenen Lehrbuch „Speculum Metallurgiae
Politissimum“
oder „Hellpolierter Berg-Bau-Spiegel“ / 11 /:
„Rutten-Gänger / ein Bergmann / dem die
Rutte schlägt
und der die Gänge damit suchet. ... Gang ausgehen oder
ausrichten heist Gänge mit der Wünschel-Ruthe suchen.
...
Ausrichten heist so viel als finden / dahero saget man / er ist des
Ganges Ausrichter / d.i. Finder.“
Gemäß
„Speculum Juris Metallici oder:
Berg-Rechts-Spiegel“ aus
dem Jahr 1698 / 12 / dienten die Aussagen von erfahrenen Rutengehern
auch zur Grundlage von einschlägigen juristischen
Entscheidungen, und zumindest in der Zeit von 1700 bis 1750 hatte die
Wünschelrute sogar Vorrang vor der wissenschaftlich
begründeten
Markscheidekunst / 13 /.
Doch zurück zu Bild 1b. Das
Bergbaufeld ist am gerodeten Gelände zu erkennen. Dabei wurde
zweifelsfrei die Säge eingesetzt, siehe glatter Baumstumpf bei
B, doch erfolgte ferner gemäß dem grauen Pfeil
Brandrodung
(entlang Linie L3). Agricola stellt im Bild auch die Alternative bei
der Prospektion der imaginären Linien, also der gesuchten
silberhaltigen „gänge“
dar. Er tut dies
anhand der Bäume, die im Linienbereich in
Übereinstimmung
mit den Ausführungen im nächsten Abschnitt
beispielsweise
durch Zwiesel- oder Schrägwuchs
„flüchten“,
siehe schwarze Pfeile.
An das geheimnisvolle Instrument
Wünschelrute hielt man sich noch lange, denn zum Beispiel
August
Bayer beschreibt in seinem Lehrwerk über den Bergbau / 14 /
aus
dem Jahr 1749 die Verwendung im erzgebirgischen
Bergbau
grundsätzlich noch ebenso wie Agricola für seine
Zeit, vgl.
Bild 1 und Bild 3.
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Bild 3: Wünschelrutengänger (A bis C) suchen Erzgänge, die mit Pflöcken gekennzeichnet werden, nach A. Bayer / 14 / |
Wie
aus Bild 3 ersichtlich, bediente man sich der Pflöcke, um die
imaginären Linien festzuhalten. Gerade die in der Bibliothek
der
TU Bergakademie Freiberg archivierte Literatur-Sammlung des Abraham
Gottlob Werner drückt aus, das die
Wünschelruten-Problematik
ganz einfach zum Fachgebiet dazu gehörte. Erst in der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts gelang es, nach einigen
vergeblichen
früheren Versuchen (so Theophilus Albinus / 15 /) von Freiberg
aus das Thema Wünschelrute in der Region
einigermaßen
erfolgreich zu verdrängen, mit dem Ergebnis allerdings, dass
nun
viele erfahrene Wünschelrutengänger aus dem
Erzgebirge
auswanderten und so letztlich möglicherweise in der ganzen
Welt
für die Erschließung neuer Bergbaufelder
verantwortlich
zeichneten. Ein Prozess der gezielten Abwerbung nach England hatte
zwar bereits im 15. Jahrhundert unter König Heinrich VI.
begonnen / 16 / und unter Königin Elisabeth I. im 16.
Jahrhundert eine Fortsetzung erfahren / 17 /, doch wurden nun
erfahrene deutsche Rutengänger von Großbritannien
aus auch
nach Amerika, Afrika und Australien geholt, wo sie dem dortigen
Bergbau zu neuer Blüte verholfen haben sollen / 18 /. J. W.
Gough hat dazu in seinem Werk „The Mines of Mendip“
/ 19 / aus dem späten 16. Jahrhundert unter anderem folgendes
geschrieben haben: “... great faith was placed in
the
virtues of the divining rod”. Selbst der
„englische
Agricola“, William Pryce, setzte sich noch im Jahr 1778 in
seinem großartigen Werk „Mineralogia
Cornubiensis“
ziemlich wohlwollend mit dem nützlichen Gebrauch der
Wünschelrute auseinander.
Georgius Agricola und Risse
in der Erdkruste
“Nun aber komme ich zu dem
dritten Buch“, meint Agricola, „welchs
ist von den
gängen / klüfften und absetze des gesteins.“
Diese Begriffe sind auch heute noch im Bergbau und in der Geologie
teilweise verbreitet. Für „absetze“
steht
heute treffender „Verwerfung“. Von Rissen (in der
Erdkruste), die mit den „klüfften“
gemeint
sind, ist eher in der Geophysik bzw. in der Geomorphologie die Rede.
Entscheidend ist jedenfalls bereits die damalige Erkenntnis
Agricolas, dass an diese die „gänge“,
d.,h.,
die Erzvorkommen gebunden sind. „Dieweil aber die
brunnen
(Quellen) der gängen ursprung seindt“,
stellte
er freilich schon im zweiten Kapitel fest und ergänzte / 8 / :
„So nun etwas von metall oder edelstein in den
gruben der
brunnen sich gesetzt hat / soll man nicht allein den sandt der
selbigen wäschen / sonder auch der bächen die von
jnen
fliessendt / un der flüssen in welche sie lauffendt.“
Diese Mineralwasserquellen verdanken tatsächlich ihre Existenz
einzig und allein den tief reichenden klüftigen Rissen in der
Erdkruste, und hydrothermal auf dem gleichen Weg gelangten ja viele
Erze mit diesen an die Oberfläche, so die heutige
fachwissenschaftliche Sicht. Agricola hatte zumindest die Bedeutung
der Erdkrustenrisse somit klar erkannt und hinterließ uns als
direkten Beleg auch zahlreiche Zeichnungen dazu, siehe Bild 4.
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Bild 4: G. Agricola / 1 / bezeichnete bereits die orthogonalen und diagonalen Risssysteme, siehe Pfeile. |
Die
moderne Geomorphologie lehrt uns, dass die Erdkruste systematisch und
erdumspannend sogar von sich kreuzenden Parallelrisssystemen
durchsetzt ist. Zu einem dieser Systeme findet man nämlich
überall sogenannte orthogonale und wenigstens die zwei
diagonalen / 20 /.
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Bild 5: Schematische Darstellung der orthogonalen und
diagonalen Parallelrisssysteme mit den charakteristischen Risskreuzungen |
Im Bild
5 sollen die Linien schematisch solche tief reichenden
Erdkrustenrisse darstellen. Das Computerschema entstand durch
Überlagerung von vier Parallelrisssystemen - mit, der
Einfachheit halber, gleicher Rissfolge - die jeweils um ca. 45o
bzw. 90o gegeneinander gedreht worden sind. Man
kann das
zufällige Vorkommen von vier-, drei- und zweizähligen
Risskreuzungen anhand der Pfeile bei A, B und C erkennen. Es ist nun
leicht verständlich, dass das Entstehen einer
Mineralwasserquelle etwa bei A sehr viel wahrscheinlicher ist als an
einer einzähligen Stelle vom Typ D, weil die
Klüftigkeit
(Durchlässigkeit für Wasser) hier eher
durchgängig
sein kann.
Es wird somit tiefe Risse - beziehungsweise
bevorzugt Sternkreuzungen von solchen - als dem Weg der thermalen
Tiefenwässer gegeben haben (und geben, siehe beispielsweise in
Karlsbad), mit denen die darin transportierten Mineralien zur
Oberfläche gelangten, wo sie sich als „Gänge“,
volkstümlich auch „Adern“
genannt, in den
Klüften ablagerten. Wir erwarten daher, trotz einer meist
stark
rissgestörten sogenannten Oberflächen- bzw.
Oxidationszone,
jene annähernd parallelen, imaginären Liniensysteme
und
Linienkreuzungen in der Landschaft genau dort, wo der Bergmann
zumindest noch in der Zeit von Agricola fündig geworden ist.
Die
realen Lagepläne ausgebeuteter Gänge des Altbergbaus
sind
für diese Vorstellungen auch tatsächlich ein
schlagender
Beweis, siehe Bild 6 und zum Beispiel
/ 21 /.
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Bild 6: a) Die gestrichelten Linien in der Landschaft des
Altbergbaus, hier bei Lauta im Erzgebirge, sind
bestandsgemäß durch Halden (auch Setzungspingen)
bestimmt und belegen zudem gewisse Abweichungen von der
Parallelität und Geradlinigkeit der realen Risse in der
Erdkruste. |
b) Plan der abgebauten Strecken des alten Bergbaus in und um Annaberg |
Georgius
Agricolas Beobachtungen der Pflanzen
Ein Zitat aus der
ersten deutschen Übersetzung des Buches „De re
metallica
libri XII“ / 8 / lässt uns aufhorchen: „Derhalbe
an welchem ort vil beum / lang ein ander nach ordelich gesetzt (in
Reihe stehend) / zu unrechter zeit verdorren un schwartz
werde /
oder sunst jhr rechte farb verlieredt / und von ungstüme der
winden niderfallen / da selbig ligt ein gang verborgen.“
Mit „gang“ war ja eine
„sylberader“
gemeint und „lang ein ander nach“
bedeutet nichts
anderes, als dass die betreffenden Bäume jene Linie in der
Landschaft offenbar markieren. Wie das, ist Silber via „hitzige
un dörre dünst“
schädlich für Bäume?
Wenn ja, so dürfte es sich im Fall der „dünst“
um ein geradezu phänomenales Naturereignis handeln, denn
Bäume
sind schließlich die vitalsten Lebewesen, die wir auf der
Erde
kennen.
G. Agricola war zwar zeitgemäß noch
teilweise alchemistisch geprägt, doch meinen letztere
Formulierung und der Kontext seines ersten Buchteiles zweifelsfrei
das gleiche: Es geht nicht um eine flüssig-chemische
Beeinflussung, sondern aus seiner Sichtweise eher um eine
gas-chemische. Bemüht man heute die Fachliteratur der
Biologie,
Biochemie und Biomedizin, so erfolgt bezüglich der
Lebensfeindlichkeit des Silbers generell weitgehend Fehlanzeige. Es
sind auch weder Gasphasen noch sonstige
„Ausdünstungen“
von Silbererzen bekannt, die in diesem heftigen Sinne bedenklich
erscheinen könnten. Wieso also sollen dann Bäume im
Sturm
gleich reihenweise umfallen oder sich sonst wie in ihrem Elend
krümmen, wenn sie über jenem „sylbergang“
stehen? Das Phänomen wird im übrigen durch Agricolas
weitergehende Argumentation - nachfolgend in Auszügen - noch
wesentlich traumatisiert, denn es handelt sich aus biologischer Sicht
um eine geradezu gespenstische Szene (zunächst in der
Übersetzung nach / 8 /, dann nach / 1 /):
“Zu de
so wir die gäng suchen / habendt wir fleißig achtung
auff
die reiffen / von welchen alle kreuter weiß sähe /
außgenomen diese die auff den gängen wachsen / dan
es ghet
vo jne ein hitziger un drockner dust / welcher dieweil sie feucht
seindt / dz zusame gfrure (gefrieren) verhindt.“
/ 8
/
„Derhalben an welche ort die feuchte kreuter durch
den reiffen nicht zusamen kallen“ / 8 /
“so
tregt die selbige erd kleine und kurtze kreutlin / die nicht einer
läblichen farb seindt.“
/ 8 /
“wenn er (der Gang) sehr warmen
Dunst ausgeströmt
hat, bringt der Boden nur niedriges Gras hervor mit blasser
Farbe.“ / 1 /
Die beiden fett gedruckten sind
Übersetzungen einer identischen Passage im lateinischen
Original. Weiter nach / 1 /:
“Schließlich muss
man die Bäume beobachten. Deren Blätter sind im
Frühling
bläulich und blaß ... die Stämme gespalten
(gezwieselt)... die Äste schwarz oder
missfarben ...
Wurzeln ... wie angebrannt und ganz und gar schwach.“
“Ja,
ebenso wächst in langer Reihe eine bestimmte Art Gras und eine
bestimmte Art Pilze dort, wo sich der Gang ausdehnt.“
Na,
dann machen wir uns auf, ... und suchen künftig die Pilze mit
der Wünschelrute!
Bei den Zitaten unterschiedlicher Passagen
(zum Vergleich fett gedruckt auch einmal eine identische) wurden hier
Übersetzungen verwendet, zwischen denen 500 Jahre liegen.
Die
Beobachtung von Lebewesen hatte in der Prospektion des Bergbaus
allerdings bald an Bedeutung verloren. Jeder Fachmann kann heute nur
Lachen, wenn die Rede von Kräutern und Bäumen ist
oder gar
die Empfehlung gegeben wird, sich beim Suchen von Silber nach Pilzen
zu richten. So hatte offenbar die Wissenschaft weder Anlass, noch
Gelegenheit, dem Wesen der lebensgefährlichen
„Dünste“
auf den Grund zu gehen, die angeblich den linearen Verlauf der
Erzgänge verraten sollen.
Das Naturphänomen als
solches bzw. das Thema der Anzeigerpflanzen im engeren Sinne ist
damit aber nicht aus der Welt, im Gegenteil, der Laie kann es bei
einiger Übung auch heute noch überall selbst
beobachten.
Freilich hat es nicht stets mit Silber, aber möglicherweise
immer mit Erdkrustenrissen zu tun. Das Bild 7 zeigt ein Foto aus dem
Struthwald, der sich zwischen Niederwiesa und Augustusburg ausdehnt.
Man sieht in langer Reihe einen Baum nach rechts und zwei
Bäume
nach links flüchten, von denen der mittlere zudem einen
merkwürdigen Beulenwuchs aufweist, der selbst in der
Fachliteratur gelegentlich als Baumkrebs bezeichnet wird. Vom vierten
Baum, der genau auf der Linie steht, blieb nur noch der Stubben
übrig. Er war gewissermaßen das erste Opfer der
Waldbewirtschaftung, und man hat sich ihn als noch elender aussehend
vorzustellen als seine unglücklichen Gesellen, auf die die
Kettensäge ohnehin bereits scharf ist.
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Bild 7: Die Fluchtreaktionen von Bäumen markieren
eine imaginäre Linie im Struth-Wald, zwischen Niederwiesa und
Augustusburg gelegen. (Der im Hintergrund nach links geneigte Baum
trägt zudem ein Beulenpaket A, auch Baumkrebs genannt . Ein
Baum im Vordergrund, dessen Stumpf auf die notwendige
Bestandsauslichtung im bewirtschafteten Wald hinweist, war sicher
besonders abartig |
Was geht
also hier eigentlich vor? Hat Georgius Agricola vor 500 Jahren
womöglich indirekt die Neutronotropie beschrieben?
Ein
Neutronotropie-Modell der Biosphäre
Die
Bewegungsphysiologie der Pflanze als Disziplin der Biologie kennt die
Geotropie und die Fototropie als die entscheidenden formbildenden
„Kräfte“ für den Baum. Die
Richtung der
Schwerkraft ist jedem bekannt. Beachtet man außerdem, dass
der
Baum - insbesondere in unseren Breiten - vor allem vom Streulicht
lebt, so kommt dabei die vom Lehrbuch geforderte Radialsymmetrie mit
der Schwerkraftrichtung als Achse heraus. Alle Abweichungen
müssten
das besondere Interesse der Fachwissenschaften erwecken. Dies ist
aber zumindest aus der Sicht des Autors nicht zufriedenstellend der
Fall. Wenn man nämlich unvoreingenommen eine Systematik dieser
Besonderheiten im Formenreichtum der Bäume betreibt / 22 / und
die Frage nach den Ursachen anhand vieler Fachbücher und
Fachartikel stellt, so wird man schwer enttäuscht. Nur allzu
oft
setzt sich dort der Tenor durch, es sei halt so in der Natur.
Im
Rahmen seiner langjährigen siedlungsphysikalischen Forschungen
wandte sich der Autor gerade diesem Thema zu, weil gewisse
Beobachtungen, z.B. / 23 /, / 24 /, / 25 /, sogar
Zusammenhänge
zwischen dem Siedlungsverhalten z.B. prähistorischer Menschen
(siehe megalithische Steinsetzungen) und z.B. dem Wuchsverhalten von
herausragenden Solitärbäumen aufzeigten. Es
kristallisierte
sich nämlich der Verdacht heraus, dass ursächlich
ortsfeste
Fluktuationen und Gradienten bzw. sogar Strahlen der bisher als
weitgehend homogen und isotrop angenommenen terrestrischen
Hintergrundstrahlung verantwortlich sind. Durch Messungen wurde es
dann zur Gewissheit, dass die natürliche irdische
Kernstrahlung,
insbesondere die Neutronenstrahlung im Spiel ist, und somit
Neutronotropie zum Beispiel für den Baumwuchs mitbestimmend
sein
könnte. Als Beispiel mag der nach H.-D. Langer / 26 /
neutronotrope Gradientenwuchs von Palmen am Südseestrand -
also
das klassische Urlaubsbild, siehe Bild 8 a - dienen.
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Bild 8: a) Palmen zeigen neutronotropen Gradientenwuchs im terrestrischen Neutronenfeld über Unterlagen mit unterschiedlichem Wassergehalt. (Der Baum wächst zum Bereich niedrigerer Neutronendosen in seiner Umgebung, das heißt, in Richtung hoher Wassergehalte in seinem Untergrund.) |
b) Der terrestrische Neutronenfluss sinkt nach E.
A. Beliajeva u.a. / 27 / von einem hohen Betrag über dem Land
auf den im Mittel niedrigen Wert über dem tieferen Wasser. Ein
Baum im Übergangsbereich (Gradient des Neutronenflusses)
wächst schräg in Richtung sinkender |
Wasser
ist aufgrund seines Gehaltes an Wasserstoff-Atomkernen mit hohem
Wirkungsquerschnitt einer der besten Moderatoren und Absorber
für
freie Neutronen. So stellt man über dem porösen
Uferbereich, in dem die Feuchtekonzentration in Richtung auf die
eigentliche Wasserfläche zunimmt, eine zum Beispiel lineare
Abnahme des terrestrischen Neutronenflusses fest / 27 /, siehe Bild 8
b. Über dem Gewässer findet sich eine
annähernd
konstante Neutronenkonzentration, die nur noch der kosmischen
Komponente entspricht.
Der Baum wächst, zunächst
der Neutronotropie folgend, gewissermaßen als Abbild des
Neutronen-Konzentrationsgefälles, schräg in Richtung
auf
das Meer zu, um sich so „spät“ wie
möglich
seiner geo- und fototropen Bestimmung zu erinnern. Es muss dieses
Erlebnis nicht unbedingt in der Südsee gesucht werden. Ob
Bach,
Fluss, Teich oder See, man begegnet diesem interessanten
Phänomen
auch an allen Oberflächengewässern in unseren
Breiten,
siehe Bild 9. Manchmal übernehmen lediglich extra
ausgetriebene
Starkäste oder ganze Kronenbereiche diese Funktion des
Baumstammes.
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Bild 9: Eine Weide am Teich wächst nahezu auf ganzer Länge über das Wasser. Nur vereinzelte Äste und zuletzt auch der Wipfeltrieb erinnern sich an ihre eigentliche Bestimmung, nämlich die Beachtung der Geo- und Fototropie. |
Die
Herkunft freier Neutronen direkt aus der Erde ist unbestritten, nur
die Quellen dieser Strahlung, insoweit sie in
größerer
Tiefe liegen, sind noch nicht zweifelsfrei ausgemacht. In einem sind
sich Geo- und Kernphysik jedoch einig: Radon und andere radioaktive
Gase gelangen über Klüfte in die Nähe der
Erdoberfläche und setzen dort durch Kernreaktionen auch
vermehrt
Neutronen frei. Sind die „dünst“
vom
„sylbergang“ also
örtlich erhöhte
Neutronenflüsse aufgrund erhöhter radioaktiver
Gasemanation?
G. Agricolas Beobachtungen einmal aus
kernphysikalischer Sicht
Wir nehmen jetzt noch einmal
Agricolas Hauptaussagen her und prüfen, ob sie mit dem
Neutronenmodell vereinbar sein könnten.
An den „klüfften
und absetze des gesteins“ und gleich gar an den
„brunnen“
der Erdkruste haben Gase selbstverständlich eine
erhöhte
Penetrierfähigkeit. Nicht nur der Radon-, sondern sogar der
Urangehalt (Uran ist eine weitere terrestrische Neutronenquelle) ist
in sämtlichen Mineralwässern beachtlich.
Während Radon
bei der Kernspaltung unter anderem Alpha-Teilchen emittiert, deren
nachfolgende Reaktionen mit Atomkernen der Umgebung auch Neutronen
frei setzen können, tut das die natürliche
Kernspaltung des
Urans unmittelbar. Somit könnten freie Neutronen hervorragende
Marker der Klüfte oder Spalten beziehungsweise der
Tiefenwasserquellen und daher vermutlich auch der gesuchten „gänge“
bzw. Erzvorkommen sein.
Es gibt für die geschilderten
Effekte sogar einen interessanten Direktbeleg. Ausgehend davon, dass
sich die radioaktiven Gase auch in den Klüften ansammeln, die
zunächst nicht bis zur Erdoberfläche
durchlässig sind,
versteht man den neuerdings entdeckten Zusammenhang zwischen
Mondphasen und Erdbeben oder vulkanischer Tätigkeit und
terrestrischen Neutronenschauern in der Biosphäre. Bild 10
zeigt
als Beispiel die mit modernster Neutronenmesstechnik bestimmten
erhöhten Neutronenflüsse im unmittelbaren zeitlichen
Umfeld
der exakten Vollmond- bzw. Neumondsituation.
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Bild 10: Bei Neu- und Vollmond treten heftige
Neutronenschauer in der Biosphäre auf. Dieses
Phänomen |
Weil
nämlich die Erdkruste durch das Zusammenspiel der
interplanetaren und solaren Gravitationskräfte maximal
deformiert wird, so argumentieren die Kernphysiker, können die
eingeschlossenen Gasmoleküle relativ plötzlich
verstärkt
aus den Rissen austreten.
Man beobachte ferner „die
reiffen / von welchen alle kreuter weiß sähe /
außgenomen
diese die auff den gängen wachsen“. Das
Ausbleiben des
Raureifs an wärmeren Stellen ist uns prinzipiell bekannt.
Schon
Agricola belehrt uns trefflich: „dan es ghet vo jne (den
Gängen) ein hitziger un drockner dust / welcher
dieweil sie
feucht seindt / dz zusame gfrure verhindt.“ Im Buch
/ 14 /,
das August Bayer 200 Jahre (!) später verfasste, wird
Agricolas
„dust“ durch die Begriffe
„Exhalation“
(lateinisch) bzw. „Auswitterung“
ersetzt.
Noch immer gab es keine Erklärung, aber Beobachtungen, die wir
heute ebenfalls kaum noch kennen: „Wo aber die
Auswitterung
richtig von Gängen fortkommen kann / hat sie grosse Gewalt /
welche auch einen angezündeten Meiler / wann die
Kohlstädte
auffm Gange gemacht worden / so sehr treibet / dass man an statt der
Kohlen meist Gestübe und Asche erlangen.“,
meinte
zudem A. Bayer. Sollten „Auswitterungen“
von
Rissen in der Erdkruste sogar derart energiereiche chemische Prozesse
beschleunigen bzw. verstärken?
Kernreaktionen erzeugen
bekanntlich auch Wärme. Dort also, wo radioaktive Gase und
freie
Neutronen in erhöhter Konzentration vorkommen, herrscht
unweigerlich eine erhöhte Temperatur, und nur geringe
örtliche
Unterschiede können sicher schon die Eisbildung und das
„zusamen
kallen“ der „feuchte kreuter“
verhindern. Warum sollte der empfindliche Holzverkohlungs-Prozess
nicht auch durch Energieüberschuss aus dem Gleichgewicht
geraten, weil zufällig am Meilerstandort radioaktiv
„auswitternde“ Klüfte anstehen, wo doch
auch
Kohlenstoff als guter Neutronen-Absorber in der Kerntechnik gilt?
Tschernobyl lässt grüßen, übrigens
nicht
nur deshalb, sondern vielleicht auch wegen des zeitweise beobachteten
Riesenpilzwachstums und der massenhaften Ausbreitung der Mistel in
den Katastrophenregionen. Ist es etwa jene „bestimmte
Art
Pilze dort, wo sich der Gang ausdehnt“, die
Agricola
meinte? Womöglich liegt es gerade daran, dass unsere
Verträglichkeit beim übermäßigen
Essen von
Pilzen leicht an Grenzen stößt, weil darin
angereichertes
schweres Wasser (D2O) eines der
stärksten Zellgifte
ist. Vielleicht ist die zu Grunde liegende Kernreaktion des
zusätzlichen Neutrons, die Wasserstoff in Deuterium
überführt,
zudem auch die Erklärung dafür, dass erfahrene
Rutengeher
tatsächlich Verborgenes finden. Unser Körper, wie
übrigens
der des Baumes, besteht zum größten Teil aus
Wasserstoff.
Könnten nicht diese Neutronen - die bekanntlich hervorragend
für
die Strukturdiagnostik geeignet sind - die notwendigen
Informationsüberträger sein?
Man gewinnt ohnehin
allmählich die Einsicht, wonach zwar die nur
einjährigen
„kreutlin“ am Standort tapfer
ausharren - und
nicht wie die Bäume auffällig flüchten -
dies aber von
der Natur mit „kleine und kurtze“
bzw. mit
„einer läblichen farb“
bestraft wird.
Wo hat sich schon direkte Kernstrahlung bei dauerhafter Einwirkung
als sonderlich förderlich erwiesen? Ach ja, die „bestimmte
Art Gras“, das da „wächst
in langer Reihe“
und „bestimmte Art Pilze dort, wo sich der Gang
ausdehnt“:
Sollten sich bestimmte Pflanzen, wie Gräser und Pilze, sogar
mit
Neutronen arrangiert haben?
Schließlich lautet bei
Agricola eine weitere Feststellung: “an welchem ort
vil beum
... die Äste schwarz ... werde“. Anhand
eigener
Beobachtung sei gleich noch ergänzend an hohle Bäume
erinnert, die im Höhlungsbereich oft ebenfalls
geschwärzt
sind, was den Volksmund nur allzu gern (fälschlich?) zu der
Annahme verleitet, es handle sich in jedem Fall um Brandschatzung.
Nein, vermutlich nicht immer muss das so sein, denn es gibt ja den
berühmten Radiokohlenstoff-Prozess / 29 /, den man z.B. zur
archäologischen Datierung verwendet. Stickstoff der Luft wird
durch ein zusätzliches Neutron in radioaktiven Kohlenstoff
umgewandelt: 14N(n,p)14C.
Möglicherweise
erklärt gerade diese Kernreaktion zumindest teilweise die
Schwärzung an den ebenfalls stickstoffhaltigen Bäumen.
Ohne
an dieser Stelle den Anspruch auf 100% Wahrheitsgehalt erheben zu
wollen, denn längst sind nicht die letzten wissenschaftlichen
Entscheidungen gefallen, so überrascht doch allein die
Möglichkeit, Georgius Agricolas Naturbeobachtungen mit den
festgestellten Neutronenfluss-Fluktuationen bzw. ortsfesten
Neutronen-Strahlen in der Biosphäre sowie mit der postulierten
Neutronotropie der Lebewesen in Zusammenhang zu
bringen.
Literatur
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(Übers. u. Bearbtg.)
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/ 3 / M. F. Gaetzschmann Die Auf- und Untersuchung
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Mineralien, J. G.
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/ 4 / H. Wilsdorf Georgius
Agricola - Bermannus oder über den Bergbau, Ein
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u. Bearbtg.) Dialog, Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin
(1955)
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/ 6 / J.
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/ 7 / G. E. Benseler Geschichte Freibergs und seines Bergbaues, J. G.
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/ 8 / P. Bechium G.
Agricola: Vom Bergwerck: XII Buecher, J. Froben und N.
(Übers.) Bischoff, Basel (1557)
/ 9 / Zentrale
Agricola- Georgius Agricola 1494-1555, Akademie-Verlag, Berlin
(1955)
Kommission
(Herausg.)
/ 10 / Ch.
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in
Geobiologie und Medizin, Karl F. Haug Verlag, Heidelberg
(1996)
/ 11 / B. Rössler Speculum
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Bau-Spiegel, Johann Jacob Wincklern, Dresden (1700)
/ 12 / N. N. Speculum Juris Metallici oder: Berg-Rechts-Spiegel
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/ 13 / T.
Haupt Bausteine zur Philosophie der Geschichte des Bergbaus, Leipzig
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/ 14 / A. Bayer Gründlicher
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Marckscheider-Kunst, Schneeberg (1749)
/ 15 / T.
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/ 16 / O. Hue Die Bergarbeiter, Stuttgart (1910)
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17 / A. K. H. Jenkin The Cornish Miner, London (1927)
/ 18 / I. Pegler Internet: Vermont dowsing rots-1.rtf (2003)
/ 19
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/ 20 / W. Höpfner Tektonik der Granite
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/ 21 / E.
Czaya Der Silberbergbau, Koehler&Amelang, Leipzig (1990)
/
22 / H.-D. Langer Das geophysikalische Standortproblem der
Solitärbäume, Teil 1:
Ergebnisse systematischer
Naturbeobachtungen,
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/ 23 / H.-D. Langer Carnac - Eine Forschungsreise in die
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Wetter-
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/ 24 / H.-D. Langer Neutronotropie -
Eine Darstellung anhand des
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der Bäume, eingereicht bei der
Zeitschrift
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Forstwirtschaft und Landschaftsökologie, Eberswalde
(2002)
/
25 / H.-D. Langer Beobachtungen und
Wirkungen von
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Forschungszentrum Jülich GmbH,
Jülich, 18. 11.
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/
26 / H.-D. Langer
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fundamentales Phänomen für das Leben in
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Wissen
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/ 27 / E. A. Beliaeva u.a. Neutron
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/ 28 / N. N. Volodichev Lunar
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