Historische
Erschließung der „Ersten Wünschelruten-Ausstellung
der Welt: Physik und Radiästhesie“
von
H.-D. Langer, Niederwiesa (Stand: April/2004)
1.
Einführung
Die „Erste Wünschelruten-Ausstellung
der Welt: Physik und Radiästhesie“ soll nicht nur
aus einer Sammlung von aktuellen Wünschelruten und Pendeln
bestehen, sondern an einer Tradition anknüpfen, die so alt ist
wie die Menschheit. Der älteste, archäologisch gesicherte
Nachweis wurde immerhin auf die Zeit vor 15.000 Jahren (!) datiert.
Den entsprechenden Vogelstab in einer mythischen Szene kann man als
Kopie einer Höhlenmalerei in der Abteilung Geschichte und auch
als dingliche Nachbildung in der Ausstellung bewundern.
Ebenso
stellen sich vor die Götter- und Herrscher-Stäbe der
ältesten Hochkulturen der Kontinente sowie z.B. der
griechische Caduceus, der römische Lituus, die Gerte des Moses
(auch als frühchristliche Darstellung) oder die anspruchsvolle,
aus vier Metallen bestehende Wünschelrute vom adligen
Berghauptmann des wettinischen Dresdner Fürsten - alle auch als
z.T. künstlerische, gegenständliche Nachbildungen - und
auch Ruten und Stäbe berühmter Wünschelrutengänger
der Neuzeit.
Damit erschöpft sich die Exposition bei
weitem jedoch nicht. Es geht nämlich hauptsächlich um die
Geschichte und Gegenwart der Anwendung von Wünschelrute
und Pendel.
Zudem werden die radiästhetischen Phänomene
aus physikalischer Sicht unter die Lupe genommen, wobei man
auch hier die historische Entwicklung sowie viele, im
wissenschaftlichen Sinne mehr oder weniger wertvolle
Forschungsbeiträge von Radiästheten aus aller Welt würdigt.
Die historische Erschließung mit ihren zahlreichen
Anknüpfungspunkten (Mythologie, Sprache, Kultur, Kunst,
Wirtschaft, Wissenschaft) ist das Ziel dieser kurz gefassten
Ausarbeitung. Sie war im Grunde einer der Ausgangspunkte zur Planung
der Ausstellung.
Auf das vollständige
Literaturverzeichnis, das sehr umfänglich zur Verfügung
stand, wird hier verzichtet.
Die Recherche wird fortgesetzt,
und die Ausstellung ergänzt, insbesondere wenn Sponsoren,
die weiterhin sehr willkommen sind, dies ermöglichen.
2.
Mythologische Erschließung der Wünschelrute
Jacob
Grimm kommt nach jahrzehntelangem Studium der Mythologien der
Völker in der ersten umfassenden deutschen Niederschrift zum
Thema (kursiv gesetzte wörtliche Zitate aus seinem Werk Deutsche
Mythologie, 1835) zu folgenden bemerkenswerten Schlüssen für
den deutschsprachigen Raum:
1. Aus dem altnordischen (and.)
Osk erschließe sich über die althochdeutschen (ahd.)
Synonyme Wunsco, Wunscjo der Begriff Wunsch.
2.
Andererseits folgten aus and. Od, Vada, über ahd. Odinn, Wuotan
die Namen der Götter Odin bzw. Wotan, die beide als die
„allmächtigen, alldurchdringenden Wesen“ bzw.
„geistigen Gottheiten“ (Hauptgötter) im
Altnordischen bzw. im jüngeren Althochdeutschen schlechthin
galten. Beide werden mit Hinweis auf den griechischen Schriftsteller
Lukian (120-180) mit dem altlateinischen und später auch
römischen Gott Jupiter verglichen, der ja wiederum dem noch
„älteren“ griechischen Zeus entspricht.
Aus
alledem folgert J. Grimm:
“Man dürfe in den meisten
Beispielen den Namen Gottes an die Stelle von Wunsch ... setzen.“
Damit sei jeder der genannten Götter in seinem Kulturkreis
als „Wunschgott“ zu begreifen.
Wunsch
versteht sich nach J. Grimm im allumfassenden Sinne des Ideals u.a.
von Schaffen, Bildung, Meistern, Denken, Hinwendung, Schwur, Sieg,
Fluch, Freude, Zorn, Liebe, Fruchtbarkeit, Seelenheil.
Nun
stellt J. Grimm die Beziehung zur Wünschelrute:
“Den
Inbegriff von Heil und Seligkeit, die Erfüllung aller Gaben,
scheint die alte Sprache mit einem einzigen Worte, dessen Bedeutung
sich nachher verengerte, auszudrücken, es hieß der
Wunsch.“
Die
Vorstellung einer Zauberrute ... hängt wieder zusammen
mit dem Sinn des Wortes Wunsch, ... Es ist die Gerte, durch
deren Besitz man alles irdischen Heiles teilhaft wird. Die Gabe
dieses Heiles geht von dem (in vordeutscher heidnischer Zeit)
allwaltenden Wodan aus.“
Schon im Althochdeutschen
wäre der „Caduceus (Merkurstab)“
nicht durch „Wunsciligerta“ ersetzt worden,
wenn man „nicht den Begriff der
zauberkräftigen Rute Merkurs mit jenem Ausdruck am
nächsten zu erreichen geglaubt“ hätte.
Der
Wunsch also, gottgleich und „reich an allen Gaben der Erde“
zu sein, bringe den unmittelbaren Zusammenhang mit dem „zauberhaften
Stab“, d.h., der „Wünschelrute“.
Es
erschließe sich zudem die Gewissheit, dass der Wünschelrute
praktisch in allen älteren Hochkulturen der Welt die gleiche
zentrale mythologische Bedeutung zugekommen sei.
3.
Sprachliche Entwicklung im Deutschen
hd - hochdeutsch
(ahd, mhd, nhd: alt-, mittel-, neuhochdeutsch)
ahd
8. bis 11. Jhd. uunschiligarta, wunsciligerta
mhd 12.
Jhd. bis ca. 1350 wünschelwip, wünschelris aber
auch
„Wurzel und ris des wunsches“ Parzival
(1190)
wünschelruote z.B. Nibelungenlied (um 1200)
z.B. Gottfried
von Strazsburg (um 1210)
z.B. Neidhart von Reuental (vor
1246)
wünschelgerte z.B. Konrad von Würzburg (um
1250)
z.B. Helena in seinem „Trojanischen Krieg“:
„Schön wie eine wünschelgerte kam sie
aufrecht
geschlichen.“
wünschelstab
z.B. Konrad von Megenberg (14. Jhd.)
ferner zeitgemäß u.a. auch wünschelreis,
wünschelzweig, sumerlate
nhd 14. bis 17. Jhd.
wonschel rosz 15. Jhd.
wuntzelruht
wünschelruthe z.B. Luther (um 1531)
glückruth z.B. Dasypodius (1536)
wünschelring z.B. Sarepta (1571)
wuntzschelruthe
wünschl rueten z.B. Hoeck (1601)
hd ab 18.
Jhd.
wünschel-ruthe z.B. Hohberg (1715)
"wünschelruthe" Zeitschrift ab 1818
Autoren u.a. Brentano, Grimm, Arnim, Arndt
Wünschelrute ab 18. Jhd.
Ferner
galt u.a. zeitgemäß auch Wichelröte, Wichelruthe,
Wischelruthe, Wahrsageruthe, Schlagruthe, Glücksruthe,
Bergruthe, Windesruthe, Feuerrute, Brandrute, Springrute, Beberute
4. Geschichtliche, literarische, archäologische und
kunsthistorische Erschließung der
Applikation von
Wünschelrute und Pendel in den Kulturen der Welt
4.1
Steinzeitliche Kulturen
* Der Vogelstab in einer
mythisch gedeuteten Felsenzeichnung in der Höhle von Lascaux aus
der Zeit vor ca. 15.000 Jahren entspricht später verwendeten,
teilweise stilisierten Stäben, z.B. im alten Ägypten
* weitere Felszeichnungen, Buschmalereien, Felsritzungen,
Bodenzeichnungen z.B. in Afrika, Amerika und Europa erinnern
ebenfalls an Darstellungen von Rutengängern (ab 6.000 v. Chr.
eingestuft)
4.2 Nachsteinzeitliche Kulturen und
Siedlungszentren bis ins 19. Jahrhundert
Insbesondere
kunsthistorische Hinweise über die Anwendung von Wünschelrute
und Pendel, teilweise auch archäologisch bzw. durch Schriftgut
gesichert, finden sich u.a. in den asiatisch-europäischen
Kulturen von Sumer, Akkad, Assur, Babylon, der Chaldäer (ca.
3.200-540 v.Chr., Irak), auf Kreta (ca. 2.600-1.425), in Altindien
(beginnend vor 2.000 v.Chr.) und Altjudea (ab 925 v.Chr.) bzw. des
indogermanischen Volkes der Hethiter (altes Reich ab 2.000 bis 1.380
v.Chr., Türkei) sowie der Skythen (um 630 bis 500 v.Chr.,
nördlich des Schwarzen Meeres) und der Kelten (ab 400 v.Chr.,
Kleinasien bis weite Teile Europas). Aber auch für alte
amerikanische Kulturen (z.B. Maya, Inka bzw. ihre Vorgänger)
trifft dies zu.
Aus einigen Hochkulturen, einschließlich
der christlichen, sind z.T. sehr konkrete Belege, auch aus ältesten
Zeiten, überliefert. Hier einige fassbare Beispiele:
# Sumer (ab ca. 3.200 v.Chr.)
Caduceus-Stab
auf der „Schale Gudeas“ des sumerischen Königs
von Lagasch, in dessen Zeit, um 2.050 v.Chr., u.a. der Bau großer
Kultstätten erfolgte
# Assur (ab ca. 1.800
v.Chr.)
u.a. Götterdarstellungen mit Gabelzweigen und
Stabruten
# Alt-Indien (ab 3.000 bis ca. 700
v.Chr.)
Caduceus-Stäbe auf antiken Steintafeln, den
„nagakals“
Nach J. Grimm, Deutsche
Mythologie, 1835, ist im gegebenen Zusammenhang die Identität
des indischen Gottes Brahma mit dem germanischen Wunschgott Wotan zu
beachten. Des weiteren ein wörtliches Zitat: „Putraka
(bei Somadeva - indischer Dichter des 11. Jhdts.) stößt
auf zwei Männer, die um Wünscheldinge (u.a. einen
„Stab“) stritten. Mit gleichem Geschick weiß
( im Nibelungenlied) Siegfried den Zwergen ihren Hort, auf dem
die Wünschelrute liegt, zu teilen.“
#
Ägypten (ca. 3.000 bis ca. 300 v. Chr.):
Es
werden Götter und gottgleiche Pharaonen in großer Zahl mit
Vogelstäben, anderen Stäben, Geiseln, Wedeln,
anderen stabförmigen Symbolwerkzeugen und Pendeln anhand
von Malereien oder Grabbeigaben bzw. Skulpturen und Bildern sowie
Priester mit Gabelzweigen dargestellt. Beispiele sind:
Min
als Gott der Fruchtbarkeit mit Phallus in der Hand; Thot als
Gott der Weisheit mit Stab;
Ossiris mit dem Vogelstab
und anderen Stäben als Gott der Fruchtbarkeit und als
Seelenführer in die Jenseitswelt (auch Götterbote); Anubis,
der Gott der Totenwelt, mit dem Vogelstab; auch die Götter
Khnom, Seth, Sechem, Sobek mit Stäben; ferner die
Pharaonen, z.B. Echnaton, Tutanchamun (Grabbeigaben!), Khons, mit
Stäben.
# Alt-China (ca. 2.000 v.Chr. bis ca.
220)
- Kaiser Kuang Yü, 2205-2197 v. Chr. (?), mit
Zackenrute = Wünschelrute in einem Relief und
überliefertem Gesetzestext wonach kein Haus gebaut werden
durfte, bevor der Bauplatz nicht auf „Schlangenlinien“ =
„Erdstrahlen“ untersucht worden ist
- Chinesische
Manuskripte sollen Hinweise enthalten, nach denen auch mit Schwertern
und Zinnstäben erfolgreich nach Wasser gesucht worden sei.
#
Antikes Griechenland (ab 2.500 bis ca. 100 v.Chr.):
-
Zahlreiche Götter bzw. Halbgötter und deren Gefolge
werden u.a. in Werken der bildenden Kunst mit diversen Stäben
dargestellt. Beispiele sind:
Hermes mit dem Caduceus,
auch Zauberstab/Botenstab, als sehr alter Gott
(gilt als eigentlicher Schöpfergott in ältester,
indogermanischer (?) Zeit, auch Götterbote); Athene mit dem Stab
als Göttin der Weisheit; Dionysos als Gott der Fruchtbarkeit;
ferner z.B. Mänaden mit efeuumwachsenen Thyrsusstäben;
Lachesis mit dem Lebensstab als Schicksalsgöttin;
Äskulap mit dem Schlangenstab als Gott der Heilung;
aber auch Stock der Göttin Demeter
- Zudem
gibt es aus altgriechischer Zeit bereits viele schriftliche
Nachweise, z.B. nach Homer (Dichter, 8. Jhd. v.
Chr.):
10. Gesang
der Odyssee:
Also sprach ich, und ging von dem
Schiff und dem Ufer des Meeres.
Jetzo nähert' ich
mich, die heiligen Tale durchwandelnd,
Schon dem hohen
Palaste der furchtbaren Zauberin Kirke;
Da begegnete mir
Hermeias mit goldenem Stabe
Auf dem Wege zur
Burg, an Gestalt ein blühender Jüngling,
Dessen
Wange sich bräunt, im holdesten Reize der Jugend.
Dieser gab mir die Hand, und sagte mit freundlicher Stimme:
Armer, wie gehst du hier so allein durch die bergichte
Waldung,
Da du die Gegend nicht kennst? Bei Kirke sind
deine Gefährten
Eingesperrt, wie Schweine, in
dichtverschlossenen Ställen.
Gehst du etwa dahin, sie
zu retten? Ich fürchte, du kehrest
Nicht von
dannen zurück, du bleibest selbst bei den andern.
Aber
wohlan! ich will dich vor allem Übel bewahren!
Nimm
dies heilsame Mittel, und gehe zum Hause der Kirke,
Sicher, von deinem Haupte den Tag des Fluches zu wenden.
Alle verderblichen Künste der Zauberin will ich
dir nennen.
Weinmus rührt sie dir ein, und mischt
ihr Gift in die Speise:
Dennoch gelingt es ihr nicht, dich
umzuschaffen; die Tugend
Dieser heilsamen Pflanze
verhindert sie. Höre nun weiter.
Wann dich Kirke
darauf mit der langen Rute berühret,
Siehe
dann reiße du schnell das geschliffene Schwert von der Hüfte,
Spring auf die Zauberin los, und drohe sie gleich zu erwürgen.
Diese wird in der Angst zu ihrem Lager dich rufen;
Und
nun weigre dich nicht, und besteige das Lager der Göttin,
Daß sie deine Gefährten erlös', und dich
selber bewirte.
Aber sie schwöre zuvor der Seligen
großen Eidschwur
Homer, 24. Gesang der
Odyssee:
Aber Hermes, der Gott von Kyllene,
nahte sich jetzo,
Rief die Seelen der Freier, und hielt in der
Rechten den schönen
Goldenen Herrscherstab, womit er
die Augen der Menschen
Zuschließt, welche er will, und
wieder vom Schlummer erweckt.
Hiermit scheucht´ er sie fort,
und schwirrend folgten die Seelen
...
und erreichten nur bald
die graue Asphodeloswiese,
Wo die Seelen wohnen, die Luftgebilde
der Toten.
# Römisches Reich, einschließlich
Etrusker (ab ca. 1.000 v.Chr., Westreich bis ca. 500):
-
Auf etruskischem Schmuck (Etrusker: ab ca. 1.000 bis ca. 400
v.Chr.) erscheint Neptun als Jüngling, der Dreizack ordnet ihn
aber dem griechischen Poseidon zu. Die Etrusker bedienten sich
bereits des Lituus.
- Anstelle z.B. der griechischen
Gottheiten Hermes, Athene, Demeter treten die Gottheiten Merkurus,
Minerva, Ceres mit den Stäben. Hinzu kommt Neptunus mit dem
Dreizack (anstelle des griech. Poseidon), womit er Felsen spalten und
Quellen (!) entspringen lassen konnte. Somit ist der Dreizack
ebenfalls als „Wünschelrute“ zu identifizieren.
-
Neptun mit dem Dreizack war Teil der ersten Götterbewirtung im
Jahre 399 v.Chr. Die sibyllinschen Bücher wiesen ihm Merkur mit
dem Caduceus als Partner zu.
- Gleiches gilt für die
ersten Bronzebarrenprägungen Roms. Eines der Doppelmotive waren
der Caduceus des Merkur auf der einen und der Dreizack des Neptun auf
der anderen Seite.
- Große Bedeutung wurde dem Lituus
als „lithurgischem“ Instrument bei heiligen Handlungen
der Priester (z.B. am Opferaltar) und als Machtsymbol der Kaiser
(dokumentiert z.B. anhand von Münzprägungen) bis ins 4.
Jhd. beigemessen.
- Aus der Zeit des Römischen Reiches
sind sogar schriftliche Quellen über die Anwendung der
Wünschelrute überkommen:
Cicero (1. Jhd. v.
Chr.) schreibt über einen „Zauberstab“,
den er auch „Gottesrute“ nennt.
Plinius
der Ältere (gest. 79 n.Chr.) bezeichnet das Werkzeug zur
Suche von Brunnenstandorten als „Wasserschmecker“.
#
Alt-Amerikanische Kulturen:
- Eine Stele der peruanischen
Chavin-Kultur (850 bis 200 v.Chr.) zeigt einen Gott oder Priester mit
zwei Stäben, ein Motiv, das in der Inka-Zeit (7. bis 16. Jhd.)
wiederholt in der bildenden Kunst vorkommt und dem Hauptgott
Viracocha zugeordnet wird.
- Die Kunst der Maya vermittelt
zumindest aus der Zeit 6. bis 9. Jhd. zahlreiche Darstellungen von
Göttern oder Priestern mit Stäben, insbesondere auch
Schlangen-Stäben.
# Nordische/germanische Kultur (vor
700 v.Chr. bis ca. 500):
- Zur Zeit der Goten (etwa
3. bis 8. Jhd.) soll die Wünschelrute - übrigens durch eine
auf dem Kopf stehende y-Rune gekennzeichnet - zur Unterscheidung
schlechter und guter Aufenthaltsorte verwendet worden sein.
-
Die Edda, d.s. gesammelte Götter- und Heldenlieder des 9.
bis 12. Jahrhunderts, liefert schriftlich gefasste Hinweise, die sich
offensichtlich auf sehr viel ältere Zeiten beziehen, z.B.:
Im
Skirnirlied:
Skirnir bediente sich der „Zauberzweige“,
um als Brautwerber die Riesin Gerd zur Ehe umzustimmen.
Im
Harbardslied (es sind Odins, des höchsten
altnordisch-germanischen Gottes Worte):
Ein beherzter
Riese
dünkte mich Hlebrand zu sein:
er gab mir die
Wünschelrute,
damit raubte ich ihm die Vernunft.
- Mit Zauberstäben werden zahlreiche mythische Wesen in
Zusammenhang gebracht, z.B.
Feen, weise Frauen, Nymphen
u.a. Quell-, Höhlen-, Baum- und Waldwesen
# Bibel
(Altes Testament vor 6.000 Jahren (?) beginnend):
-
Apostelgeschichte 14, 11:
und riefen auf
lykaonisch: Die Götter sind
den Menschen gleich geworden und
zu uns herabgekommen
Und sie nannten Barnabas Zeus und Paulus
Hermes,
weil er das Wort führte.
Kommentar:
Hier
wird also eine Beziehung zwischen dem heidnischen Stabträger-Gott
Hermes und dem historisch fassbaren Apostel des Neuen (!) Testaments,
sein Märtyrertod um 60, hergestellt. Wie Gemälde der
Frühchristen (bis ca. 3. Jhd.) in den Katakomben von Rom
belegen, gehörte damals der Umgang mit der Wünschelrute
absolut zur Normalität.
- Nach O. von Gerlach (Herausg.),
Das Alte Testament nach Dr. Martin Luthers Übersetzung (1893),
sind folgende Zitate z.B. aus dem Vierten Buch Mose sehr interessant:
17. Cap.:
Des Morgens aber, da Mose in die
Hütte des Zeugnisses ging, fand er den Stecken Aaron´s
des Hauses Levi, grünen und die Blüthe aufgegangen und
Mandeln tragen. (Eine Fußnote dazu: Der Mandelbaum, als
der, welcher am schnellsten Blüthen und liebliche Früchte
treibt, ist ein Sinnbild der mächtigen Kraft des göttlichen
Wortes, ...)
Kommentar:
Phallus-Stab,
Schlangen-Stab und viele andere symbolhafte Fakten der Mythologie der
alten Völker, einschließlich des Alten Testaments, weisen
auf das außergewöhnliche der Wünschelrute hin. Die
von Aaron, dem von Gott (stellvertretend durch Moses) eingesetzten
ersten obersten Priester, verwendete „Stab“ entpuppt sich
somit auch lt. Bibel als Zweig eines Baumes:
20.
Cap.:
Und der Herr redete mit Mose und sprach: Nimm den
Stab, und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aaron,
und redet mit dem Fels vor ihren Augen; der wird sein Wasser geben.
21. Cap.:
Da sang Israel dieses Lied, und sangen
um einander über den Brunnen (den Moses mit dem Stab
gefunden hat): „Das ist der Brunn, den die Fürsten
gegraben haben; die Edlen im Volk haben ihn gegraben, durch den
Lehrer und ihre Stäbe.“ (Eine Fußnote v.
Gerlachs dazu: Die Fürsten graben ihn mit dem Scepter,
ihren Stäben.)
Kommentar:
Moses
hat also lt. Bibel mit der Wünschelrute erfolgreich Wasser
gesucht. Aber auch die „Edlen“, also Adligen bzw.
die daraus rekrutierten Priester des Volkes verwendeten solche, wobei
die Bibel das „Scepter“ direkt mit dem Stab =
Wünschelrute identifiziert.
# Fränkische bzw.
frühdeutsche Kultur (ca. 480 bis 919):
- Die “Lex
ripuaria“, ein frühfränkischer Gesetzestext,
verbietet jedweden „Haselzauber“ (Haselzweig
als Wünschelrute).
- Karl der Große soll über
die größte Bibliothek zum Thema Wünschelrute verfügt
haben.
# Deutsche Kultur (ab 919):
- Als
erster Nachweis aus dieser Zeit gilt eine kaiserliche Münze aus
dem 10. Jhd., die einen Rutengeher im Silber-Bergbau
(Goslar/Rammelsberg) darstellt.
- Aus Annalen von Corvey/
Das Lied von Brunsberg (1048), wörtlich nach J. Grimm,
1835:
Ein weißer Hund habe in Brunsberg einen
verfluchten verborgenen Schatz bewacht. Als eine Bauersfrau mit
einer von der weißen (weisen, göttlichen) Frau dazu
empfangenen Gerte umherschlug, wurde der Hund kohlschwarz,
worüber die Frau erschrocken das Schweigen brach und die
Erlösung vereitelte.
- Das Nibelungenlied,
Heldenepos um 1200 (Attilas Zeit, also um 450, gilt als historischer
Hintergrund), enthält mehrere Hinweise. Hier ein Auszug, der die
enge Beziehung zwischen „Wunsch“ und „Wünschelrute“
klar zum Ausdruck bringt:
Der wunsch lac dar under,
von golde ein rütelin,
der daz het erkunnet, der möhte
meister sin
wol in al der werlte über islichen man.
-
Die deutsche Dichtung des 13. Jahrhunderts (hier wörtliche
Zitate nach J. Grimm, 1835) bietet eine Fülle von Belegen dafür,
dass die Wünschelrute zu dieser Zeit als etwas Besonderes, Edles
bzw. Heiliges galt, z.B.:
Wolfram von Eschenbach (ca.
1170-1220):
Wurzel unde ris des wunsches
Gottfried
von Straßburg (gest. um 1215:
Der gnade ein
wünschelruote.
Konrad von Würzburg
(1225-1287):
Du (Maria) bist diu wünschelgerte,
dar mit zu einem steine wazzer wart geslagen.
Schoene
als ein wünschelgerte kam sie (Helena) geslichen
ufrecht.
- Im 13. Jahrhundert gibt nach G. E. Beseler,
Geschichte Freibergs und seines Bergbaues, 1843, „einer
der größten Gelehrten des 13ten Jahrhunderts“,
Albert Graf von Bollstädt, schriftlich den ersten
bekannten Hinweis darauf, dass die Wünschelrute erfolgreich zum
Auffinden von Erzgängen diente:
Er habe es als -
durch die Wünschelrute gestützte - Zaubekunst
betrachtet, die Orte aufzufinden, wo diese Schätze, d.h.,
die Erzgänge lagen.
- Die aus dem Jahr 1420
stammende sogenannte Wiener Bilderhandschrift enthält
möglicherweise den ersten neuzeitlichen Direktnachweis für
die Anwendung der Wünschelrute bei der Suche eines
Brunnenstandortes. Sie zeigt eindeutig zwei Rutengänger
neben einem Brunnen.
- Johann Bozer übermittelt
uns 1553, also noch vor Georgius Agricola, in seiner Vers-Chronik
Klartext (deutsch nach G. E. Beseler, 1843). Indem er auf die
Gründung der Siedlung Sächsstadt bei Freiberg ums
Jahr 1168 bezieht, schildert er den schweren Anfang des
Bergbaus auf dem Territorium des heutigen Freistaates Sachsen
auszugsweise wie folgt:
Sucht auch der Bergmann Schutz vor
Regen dort und Wind,
Und aus dem Dickicht siehst du arme Hütten
steigen,,
Daß er bei Nacht darin die sanfte Ruhe find.
Wie
sie so mit der Axt den starren Wald abmähen,
Und weithin nach
und nach sich Grub´ an Grub´ aufthut,
Läßt
jede Stelle sie die Wünschelruth´ erspähen,
Wo
irgend reich Gestein noch in der Tiefe ruht.
- Georgius
Agricola in seinem weltberühmten Werk De re metallica
libri XII (1555), deutsch nach G. Fraustadt und H. Prescher
(1974), und Balthasar Rössler im Buch Speculum Metallurgiae
Politissimum oder: Hellpolierter Berg-Bau-Spiegel“ gehen
auf die Anwendung von Wünschelrute und „Chrystall“
(Agricola) bzw. „Christallspiegel“ (Rössler)
als Pendel in der bergbaulichen Prospektion lehrbuchhaft und
ausführlich ein, z.B.:
G. Agricola, 15./16. Jhd.
(Übers. nach G. Fraustadt u.M., 1974)
Die
Wünschelrute kann also bei der Auffindung von Gängen
für eine frommen und ernsthaften Mann von Nutzen sein.
B.
Rössler, 17./18. Jhd.
Rutten-Gänger
/ ein Bergmann / dem die Rutte schlägt und der die Gänge
damit suchet. ... Gang ausgehen oder ausrichten heist Gänge mit
der Wünschel-Ruthe suchen. ... Ausrichten heist so viel
als finden / dahero saget man / er ist des Ganges Ausrichter / d.i.
Finder.
- Gustav Eduard Beuseler schreibt noch im
Jahr 1843 in seiner Chronik Geschichte Freibergs und seines
Bergbaues in Auszügen:
Dieß sagt derselbe
Gelehrte (Albert Graf von Bollstädt ) ausdrücklich
... in Bezug auf unsere Gegend ebenfalls; so dass die Meinung derer,
welche den Gebrauch der Wünschelruthe erst von den Zeiten
des dreißigjährigen Krieges herleiten, hierdurch
vollständig widerlegt wird. Es war aber diese Wünschelruthe,
welche auch den Namen Schlagruthe, Glücksruthe, Bergruthe
oder Windesruthe führte, gewöhnlich von Holz und zwar
in unserer Gegend am häufigsten von der Haselstaude.
War
aber von einem Ruthengänger in einem edlen Gebirge
wirklich ein Gang gefunden worden, so benutzte man die Ruthe
bisweilen auch noch dazu, zu erfahren, was für Metalle der Gang
führe ... und was für eine Art von Erzen darauf breche...
.
So war diese Wünschelruthe nebst den Chrystallspiegeln
(Pendel!) ein wichtiges Werkzeug in jenen Zeiten, und ihr
Gebrauch hat sich ... bis auf die neuern Zeiten erstreckt.
Zudem
erinnert G. E. Beuseler daran, dass die Aussagen von erfahrenen
Rutengehern sogar zur Grundlage von einschlägigen
Gerichtsentscheidungen dienten, s. auch Speculum Juris Metallici
oder: Berg-Rechts-Spiegel, Ausgabe J. J. Wincklern, 1698.
5.
Schlussfolgerungen bezüglich der Wünschelruten-Ausstellung
Es
ist somit eine enge innere Verbindung zwischen den Göttern,
sogar den höchsten, und der Wünschelrute hergestellt, was
die Erforschung des Umgangs mit ihr (und mit dem Pendel) in anderen,
frühen und frühesten Kulturen, bis zurück zur
Steinzeit, ganz besonders dazu herausfordert, die entsprechend nur
bruchstückhaft überkommenen Hinweise zu analysieren und zu
bewerten.
In diesem Zusammenhang muss übrigens -
zunächst auch wertungsfrei - die neuzeitliche Tatsache gesehen
werden, dass es immer wieder Radiästheten (z.B. Frau Käthe
Bachler) gibt, die sich bei ihrer Tätigkeit in einer besonderen
individuellen Beziehung zu Gott wähnen.
Die Ergebnisse
der bisherigen Erforschung von Phänomenen der Radiästhesie
belegen allerdings eindeutig, dass viele gegenwärtige „Mythen“
zu Wünschelrute, Pendel u.s.w. oft hausgemacht sind bzw.
unmittelbar auf Unkenntnis der naturwissenschaftlichen Grundlagen
beruhen.
Aus der mythischen Wünschelrute resultierten
zudem Entwicklungen, die u.a. nachweislich geführt haben
zum
Zepter des weltlichen Herrschers,
zum Krummstab des
kirchlichen Herrschers,
zum Zauberstab des Magiers,
zum
Taktstock des Dirigenten u.s.w.
Dessen ungeachtet werden
Wünschelrute und Pendel nach wie vor für die klassischen
Anwendungen eingesetzt. Dazu kommen aktuelle Anwendungstrends (z.B.
Esoterik, Feng Shui westlicher Prägung, Erdheilung, Diagnose und
Therapie).
Zunehmend erschließen sich zudem die
radiästhetischen Phänomene durch physikalisch orientierte
Forschungen.
Die „Erste Wünschelruten-Ausstellung
der Welt: Physik und Radiästhesie“ setzt daher
konzeptionell an folgenden thematischen Schwerpunkten an:
*
Geschichte der Radiästhesie,
* Anwendung
radiästhetischer Mittel und Methoden in Vergangenheit und
Gegenwart,
* Physikalische Grundlagen der
Wünschelruten- und Pendelphänomene.
Darüber
hinaus werden aufgrund des verfügbaren Fundus gezielt
präsentiert:
- Modellvorstellungen und
Demonstrationen (z.B. Strahlbildung in der Erdkruste,
„Erdstrahlen“ im Schlafzimmer) zur
allgemeinverständlichen Veranschaulichung von wichtigen
Forschungsergebnissen und Applikationen,
- Irrwege der
Laienforschung,
- Stellungnahmen und
Forschungsergebnisse von unabhängigen Physikern zur
Klärung der radiästhetischen Phänomene,
-
Ergebnisse der Siedlungsphysik und anderer
Wissenschaftsdisziplinen, die sich auch dieser Phänomene
bedienen (hierin die Geomantie, Leyline-Forschung, Archäologie
der Heiligtümer, Neutronotropie u.s.w. eingeschlossen),
-
Exponate relevanten künstlerischen Schaffens.
Zudem
sollen die Besucher Aktionen erleben (Wünschelruten-Teststrecke,
Pendeltisch-Schnellkurs, radiästhetische Schatzsuche,
Beziehungstests).
06.05.04
F.M.